Meta Meta. Frohmann-Zitate. Weil einfach nichts Neues zum digitalen Verlegen zu sagen ist

2011

„Wenn man es mal nicht als technisches, hässliches Ding sieht, dann ist der E-Book-Reader auch nur eine Bibliothek mit Büchern drin.“ (Christiane Frohmann, zit. in: Anna-Lena Scholz, „Digital versus gedruckt FU-Studenten verteidigen das gute alte Buch“, tagesspiegel.de, 13.11.2011, )


2012

„Der Maler Jim Avignon hat einmal gesagt, dass er lieber 1000 Bilder für einen Euro als ein Bild für 1000 Euro verkauft. Das ist auch unsere Ideologie. Es gibt keinen Grund, Bücher elitär zu vermarkten.“ („Christiane Frohmann und Sascha Lazimbat über digitales Verlegen“ (Interview), buchreport.de, 24.4.2012)


2013

„Die Ergebnisse des Self-Publishing werden von klassischen und digitalen Verlegern kritisch beäugt und gern bemängelt, so wie Blogs von klassischen Journalisten und E-Books von klassischen Bücherfreunden nicht gemocht werden, einfach weil sie anders als das Gewohnte sind. Leser aber scheinen das ganz anders zu sehen, denn sie kaufen mitunter zehntausendfach Titel, von denen Branchenkenner annehmen würden, dass diese wie Blei in den Regalen liegen müssten: […] Es kann also sein, was nicht sein darf. Leser finden unschöne Bücher gut.” („Warum und unter welchen Umständen ich Self-Publishing ideal finde“, imagography.cfrohmann.com, 19.9.2013)

„Ist das gute Buch in der Realität nicht möglicherweise längst von der Idee des schönen Buchs entkoppelt worden oder war es das außerhalb eines elitären Clubs womöglich immer schon? Was ist ein gutes Buch? Ein hermeneutisch einwandfreies und ästhetisch vollkommenes Buch, das für viele unzugänglich bleibt, weil es ihnen zu hoch ist oder ein Buch, welches ein großes Publikum erreicht und Wirkung zeigt? Wer hat das Recht, Autoren und Leser für deren minderen Geschmack zu kritisieren? Vielleicht sind ja die Eliten zu dumm, jene andere Schönheit zu erfassen?“ (Ibd.)

„Retro ist so eine Sache: hübsch stimmungsvoll und gleichzeitig hässlich reaktionär: Früher war keinesfalls alles besser, man kann sich nur nicht mehr so genau daran erinnern. Die Gedächtnislücken werden mit einer idealisierten Vorstellung der individuellen Biografie wie auch der gesellschaftlichen Vergangenheit aufgefüllt.“ („Geht doch zurück nach früher, wenn’s euch hier nicht passt!“, imagography.cfrohmann.com, 13.12.2013)

„Plausibilität ist die Wahrheitsform im Netz. Es geht um Wahrhaftigkeit statt Wahrheit.“ (Christiane Frohmann, zit. nach: Julika Meinert, „Twitter als Literatur – total genial oder nur banal?“, welt.de, 28.12.2013)


2014

„E-Books sind keine Bücher. E-Books sind ein neues Medium zum Aufzeichnen, Speichern und Vermitteln von Inhalten. So sachlich ausgedrückt, klingt das wenig aufregend.” („Dies ist keine Polemik (Eine neue Version von ‘Dies ist kein Hipstergelalle’“, e-book-news.de, 10.2.2014)

„Dieses Neue entwickelt sich, unaufhörlich, ob ich will oder nicht. In unserem Fall heißt das, Menschen machen, verkaufen, kaufen und lesen E-Books. Oder lesen online. Der Trick ist, das Neue nicht als Pest zu betrachten. Sondern sachlich damit umzugehen. Oder gar konstruktiv. An der Zukunft des Lesens, die nicht allein eines des Lesens von Bücherns sein wird, konstruktiv mitzuwirken. Wer, wenn nicht wir, bestimmt denn darüber mit, wie es in der Zukunft ums Lesen und Verlegen bestellt ist.“ (Ibid.)

„Im Zentrum stand und steht die Idee, am Qualitätsanspruch eines klassischen Verlags festzuhalten, sich mit den Autoren aber an die noch opaken kulturellen Phänomene heranzutasten: neue Formen von Kultur, Kunst und Literatur, die sich mit rasender Geschwindigkeit im Netz und durch das Netz entwickeln.“ („Papier ist zu geduldig“. Elektrisch Lesen: Ein Blick in die Werkstatt der Digitalverlage, logbuch-suhrkamp, 10.3.2014)

„[M]ein Marketing funktioniert über neue dynamische Formen, denen eine Verklammerung von Real Life und Internet zugrunde liegt.“ (Ibid.)

„Meine Produktionsmittel bei der Verlagsarbeit sind denkbar bescheiden: ein Laptop und ein Smartphone.“ (Ibid.)

Die Produktionsenergie, welche das eigentliche Kapital meines Verlags ausmacht, ergibt sich aus dem leidenschaftlichen Umgang mit vielen, vielen Menschen. Im Netz und draußen.“ (Ibid.)

„Hermeneutik ist heilbar.“ (Tweet, 8.4.2014)

„Bücher sind grafisch-materielle Umformatierungen geistiger Inhalte. Ideelle Inhalte aber sind, wenn man so will, virtual goods, die man nicht mit Händen greifen kann. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass man den ebenfalls nicht handfesten E-Books, die diesen Umstand ja verdoppeln, nicht so recht über den Weg traut. Möchte man so gern am Buch festhalten, weil man sich selbst am Buch festhalten kann?“ („Einfach weiterlesen, imagography.cfrohmann.com, 23.4.2014)

„Bücher werden wie Vinylschallplatten eine veränderte kulturelle Bedeutung haben. Ihre Funktion als wichtigstes Lesemedium aber werden sie verlieren. Faktisch haben sie diese bereits verloren, dem bildungsbürgerlichen Image nach allerdings noch nicht.“ (Ibid.)

„Man sollte sich auf die veränderte Bedeutung des Buches einstellen und diese weder forcieren noch leugnen. Dann kann ein wunderschöner neuer Raum für das Bücherlesen entstehen. Das viele Gejammer und Gehetze tut der Buchkultur jedenfalls nicht gut. Lest doch einfach weiter.“ (Ibid.)

„Wir alle lesen auf den Screens unserer Rechner und Smartphones. Dieses Lesen aber ist augenblicklich noch schlecht angesehen bzw. es wird gar nicht gesehen, weil es nicht als ‚richtiges Lesen’ gilt. Es gibt aktuell ein richtiges und ein falsches Lesen. Wer keine Bücher liest, verliert. Gibt man diese dichotomische, diese Entweder-oder-Sichtweise aber auf, dann haben wir keine verlorene, sondern eine andere Lesekultur. Alle gewinnen.“ (Ibid.)

„Als Mitgründerin des experimentellen Imprints eriginals berlin zerbricht sich Frau Frohmann bereits im Jahr 2011 den Kopf, wie man das Dilemma lösen kann, schön gestaltete E-Book-Cover zu wollen, gleichzeitig aber Cover zu brauchen, die als winzige Thumbnails in den Downloadstores funktionieren. Sie kommt auf die Idee, Icons zu benutzen: reduzierte Symbol- oder Stimmungsbilder für den Inhalt des jeweiligen eBooks. Anfangs haben die Cover noch Weißflächen, worauf aber bald verzichtet wird, weil diese trotz farbiger Rahmung auf dem Hintergrund der gerade in Mode kommenden weißen Webseiten merkwürdig ‚leer’ aussehen.“ („Netzbilder: Die Covergestaltung von E-Books“, charlotte-reimann.de, 25.5.2014)

„Der Begriff ‘digital native’ ist analog naiv.“ (Tweet, 17.6.2014)

„Die Begriffe und die Ästhetik rund um E-Books beruhen auf der klassischen Buchkultur: Die Leseapp knistert beim Umblättern, hat digitale Eselsohren, einen Buchumschlag und so weiter. Das digitale Publizieren sollte sich von der klassischen Buchkultur emanzipieren und aufhören, das Verlegen immer von dort her zu denken. Am Anfang war es eine Vorstellungshilfe, als alles so neu war, aber jetzt scheint es eher ein Denkknebel zu sein. Das E-Book wird bislang als schlechteres Buch angesehen. Dabei haben E-Books ganz eigene Möglichkeiten, sie können Dinge, die Print-Bücher nicht können.“ („Digitales Publizieren sollte sich von der klassischen Buchkultur emanzipieren“ (Interview), irights.info, 19.6.2014)

„Ich bin […] habe noch nie DRM benutzt. Ich lehne das kategorisch ab. Man ist am ehesten bereit, sich fair zu verhalten, wenn man faire Angebote bekommt. Wenn die Leser günstigen, leicht zugänglichen und qualitativ hochwertigen Content angeboten bekommen, dann glaube ich, dass sie die Bücher auch kaufen. Außerdem glaube ich nicht, dass DRM schützt. Ich weiß, wie schnell man ein DRM knacken kann. Ich will meine Kunden und Leser mit Vertrauen und Respekt behandeln.“ (Ibid.)

„Die Zeit des Originalgenies ist vorüber, das haben nur noch nicht alle bemerkt. Das war eine Entwicklung der Moderne, die jetzt nicht mehr zeitgemäß wirkt und von einer transpersonalen Kreativität abgelöst wird. Wenn man keine Angst davor hat, sich vom klassischen Autordenken zu verabschieden, dann ist die Kultur des Teilens eine einzige Befreiung. Das Urheberrecht, wie es sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat, ist der totale Knebel für die Kreativität.“ (Ibid.)

„Ich setze mich selbst wie einen ästhetischen Filter ein, der Vorhandenes sichtbar macht, verstärkt oder leicht modifiziert. “ („Neue Verlage – Teil 5 (E-Books): Frohmann Verlag“ (Interview), blog.mairisch.de, 19.6.2014,*

„Versionierbare E-Books passen zu meinen offenen, mit dem Flow gehenden Projekten, außerdem geben mir die überschaubaren finanziellen Risiken größtmögliche ästhetische und ideologische Autonomie.“ (Ibid.)

„Wer auf Twitter klassisch denkt und die Plattform nur für seine Zwecke nutzen möchte, bleibt draußen. Ungelesen. Ungefavt. Ungeliebt. Vor dem Gesetz. Das im Netz der Flow ist. Auf Twitter kann man die Präsenz und Wirksamkeit dieses Gesetzes besonders stark spüren. Verlage missachten das ‚Gesetz des Flows’, wenn sie Tweets verfassen, die an Twitter vorbeigehen. Tweets, die nichts als Produktwerbung, Veranstaltungshinweise und Zitate sind. Konventionelle Inhalte. Statische Texte. ‚Langweilig.’ Langeweile zu erzeugen ist die schlimmste Freveltat im Netz.“ („Twitter durchspielen“, verlag.cfrohmann.com, 11.7.2014)

„Es gibt nämlich, mindestens, zwei Arten von E-Books und nur die eine lässt sich sinnvoll als ‚elektronisches Buch’ bezeichnen: die digitale Ausgabe eines geistig-immateriellen Inhalts, der auch als gedrucktes Buch erhältlich ist. Wenn ein Titel als Printbuch existiert und der Verlag dazu eine digitale Ausgabe produziert, so ist dieses ein ‚richtiges E-Book’. (Christiane Frohmann, „Ceci n’est pas un livre“, freitag.de, 1.8.2014)

Deutlich eigensinniger, hybrider und interessanter sind ‚falsche E-Books’, die kaum etwas mit Printbüchern gemein haben und deshalb eigentlich nicht sinnvoll „elektronische Bücher“ genannt werden können. In und mit ihnen zeigt das neue Format performativ, was es kann: ein buchstäblich offener Text sein, der in verschiedenen Versionen neben- und nacheinander existiert, der sukzessive neue Gedanken, Bilder und Autoren in sich aufnimmt, der strömt und Resonanzschleifen erzeugt, der mittels Verlinkung beim Lesen rekursiv hin und her springt, der in seinem ungewöhnlichen Erscheinen neue Erfahrungs-, Vorstellungs- und Gefühlswelten eröffnet, die mit einem sich ständig verändernden Schreiben und Lesen einhergehen.“ (Ibid.)

„Die Backlist wird ja zukünftig größer sein, was wirtschaftlich wichtig ist: Sie ist das, was uns ernähren kann. Bei E-Book-Verlagen ist die Backlist eigentlich mehr eine List, denn unsere Titel verschwinden ja nicht aus den Shops.“ (Christiane Frohmann, „Mich interessieren Projekte, die im Print komplett denkunmöglich sind“ (Interview), boersenblatt.net, 4.9.2014)

„From an external perspective I am part of the Berlin start-up scene. But viewed from the inside, my publishing house feels more like a work of art, not an artefact but performative art.“ (Christiane Frohmann, „The Digital Us“, blog.book-fair.com, 5.9.2014)

„Genius, originality and intellectual property are not so much an issue anymore. Just relax. And create. It is not about you. It is about you as part of something bigger. It is about the Digital Us.“ (Ibid.)

„Die folgende Stelle aus dem Proceß ist so etwas wie der gedankliche Auslöser für mein Konzept der ‚Performativen Aufklärung’ gewesen, entsprechend oft zitiere ich sie in Vorträgen und Texten: Aber der Wächter sagte nur abweisend: ‚Sie werden es zu fühlen bekommen.’ Franz mischte sich ein und sagte: ‚Sieh, Willem, er gibt zu, er kenne das Gesetz nicht, und behauptet gleichzeitig, schuldlos zu sein.’ ‚Du hast ganz recht, aber ihm kann man nichts begreiflich machen’, sagte der andere.“ („Wie liest du, Christiane?“ (Interview), 54books.de, 22.9.2014)

„Der rote Faden meiner Arbeitssituation sind Laptopverbrennungen am Oberschenkel, alles andere variiert.“ (Tweet von @FrauFrohmann, zit. in Sophie Dezlhofer und Laura Freisberg, „Electric literature. Wie wir lesen wollen, br.de, 5.10.2014)

„Das hat mich am meisten gefreut: Die unglaubliche Resonanz auf mein laufendes Verlagsprojekt „Tausend Tode schreiben“, die Qualität der eingereichten Texte, die rücksichtsvolle Art der Autorinnen und Autoren im Umgang miteinander,– all das hat gezeigt, dass das „digitale Wir“ kein Phantasma ist, sondern eine mögliche Realität.“ („buchreport.de-Jahresrückblick: Christiane Frohmann. ‚Das digitale Wir ist kein Phantasma‘“, buchreport.de, 15.12.2014)


2015

„Das Netz ist, anders als ein Buch oder Sterbebett, kein passender Ort für letzte Worte, es ist der Raum für ständig zu aktualisierende Statusmeldungen.“ („Instantanes Schreiben“, imagography.cfrohmann.com, 29.5.2015)

„Geschriebenes besteht aus in Schrift umformatierten mentalen Bildern, die beim Lesen wiederum in mentale Bilder umformatiert werden. Das neue Schreiben, Lesen und Publizieren macht es dem Gehirn angenehm leicht, denn eine geschriebene Facebookstatusmeldung oder ein Worttweet haben aufgrund ihres kontextlosen performativen Gestus mehr Ähnlichkeit mit einem geposteten Foto als mit einem gedruckten Buch.“ (Ibid.)

„Wer durch Verbreiten von inkorrekten ‚News‘ über E-Book-Akzeptanz/-Markt Lesern den Spaß verdirbt, sägt am eigenen Stuhl.“ (Tweet, 26.6.2015)

„Wie schön könnte E-Book-Verlegen sein, wenn nicht so viel Potenzial mit DRM und bescheuerten Exklusivformaten verschwendet worden wäre.“ (Tweet, 23.6.2015)

„Lest lieber E-Books als Medienberichte über E-Books. Beides hat nämlich erstaunlich wenig miteinander zu tun.“ (Tweet, 26.6.2015)

„Nur weil ich das [DRM; C. F.] nicht gemacht habe, hat es ja trotzdem ganz stark die Marktentwicklung beeinflusst und ganz vielen Lesern, befürchte ich – auch durch diese ständig kursierenden […] Negativmeldungen – vielen Lesern, die noch gar nicht Zugang gefunden hatten zum neuen Medium E-Book, den Spaß verdorben.“ (“Von neuem Schreiben, Lesen und Hacken“ (Interview), breitband.deutschlandradiokultur.de, 27.6.2015)

„Buchbranche, streich doch mal ‚Frauenliteratur‘ aus deinem Marketing-Wortschatz, dann klappt es auch besser mit der Zukunft.“ (Tweet, 30.6.2015)

Die hier versammelten Zitate können, solange der Name genannt ist, ohne Nachfrage benutzt werden.

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